Geschichte

50 Jahre Theater für Kinder

Am 27.02.2018 wird das Theater 50 Jahre alt.

Die Idee, ein solches Unternehmen zu gründen, war 1968 ganz neu und deshalb ist das "Theater für Kinder" heute das älteste professionelle Kinderprivattheater Deutschlands. Hinter dieser Idee steckt ein damals junger und bis heute sehr temperamentvoller, entschlussfreudiger Mann namens Uwe Deeken. Wichtigster künstlerischer Weggefährte in den ersten Jahren (bis 1976) war Eberhard Möbius (von den Hamburgern kurz und liebevoll "Möbi" genannt, Eigner des einzigen hochseetüchtigen Theaterschiffs der Welt.).

Von Anfang an machte sich das Haus als Uraufführungs-Theater einen Namen. Dies wurde möglich durch kontinuierliche Zusammenarbeit mit bedeutenden Autoren wie Paul Maar, Otfried Preußler, James Krüss, Christine Nöstlinger und natürlich Astrid Lindgren. Ein Meilenstein in der Geschichte des Hauses war die Uraufführung der Oper "Eine kleine Zauberflöte" nach Wolfgang Amadeus Mozart am 4. September 1979. Kindern eine Oper "zuzumuten" galt damals bei vielen Pädagogen und Eltern als "nicht kindgerecht". Umso überraschender war der überwältigende Erfolg dieser Inszenierung bei Publikum und Presse. Seitdem findet sich beinahe in jeder Spielzeit eine Oper auf dem Programm des "Theaters für Kinder". Zum 25-jährigen Jubiläum 1993 wurde sogar eigens eine Oper komponiert: "Vom Fischer und seiner Frau", Musik Wolfgang Söring, Text Barbara Hass.


Barbara Hass

Der Name Barbara Hass erscheint in den Annalen des Hauses zum ersten Mal 1976 unter der Abteilung "Kostüme". Kurz danach tritt sie auch als Koautorin der Bühnenfassung von "Prinz und Bettelknabe" in Erscheinung. Es handelt sich um Uwe Deekens Ehefrau, die seitdem die Geschicke des Theaters mitlenkt, indem sie nicht nur zahlreiche Texte für die Bühne bearbeitet, sondern auch als Kostümbildnerin bis heute höchste Anerkennung erntet.

Sie ist es auch, die im Februar 1987 begann, eine neue Form von Kinderkonzert zu verwirklichen - das Konzerttheater. Wie der Name schon andeutet, werden hier mehr Theatermittel als bei einem normalen Konzert eingesetzt, um den Kindern die Musik anschaulich zu machen. Bühnenbilder, szenisches Spiel, Märchentexte, ausgefeilte Lichtregie usw. eroberten die Konzertbühne. 

Im November 1992 wagte das "Theater für Kinder" ein neues Experiment: Klassisches Ballett in Verbindung mit Schauspiel. Barbara Hass schuf eine Bühnenfassung des Märchens "Nussknacker und Mausekönig" von E.T.A. Hoffmann, und Ralf Dörnen, damals Solist bei John Neumeier, choreographierte zur Musik von Peter I. Tschaikowsky. Auch dieses Experiment, unter der Leitung von Hausregisseur Claus Gutbier, verlief erfolgreich und wurde mit gleichem Team mit "Dornröschen" und "Schwanensee" fortgesetzt.


Theater für Erwachsene und Kinder

Am 1. November 1996 versetzte das Ehepaar Deeken die deutsche Theaterwelt erneut in Erstaunen. In den Räumen des "Theaters für Kinder" eröffneten sie ein zweites Theater - für Erwachsene. Die neue Hamburger Kammeroper ALLEE THEATER, erblickte das Rampenlicht mit "Viva La Mamma" von Donizetti. Der Neueröffnung vorausgegangen war eine höchst raffinierte Umrüstung der Bühnentechnik. Eine "maßgeschneiderte", einzigartige Konstruktion, die barocke Bühnentechnik mit Computertechnik verbindet, ermöglicht seitdem den schnellen Wechsel der Dekoration von Kindertheater auf Erwachsenentheater. Und nicht nur das. Jetzt waren auch innerhalb der Theaterstücke reibungslose Schauplatzwechsel "auf Knopfdruck" möglich, trotz der beengten Platzverhältnisse neben und hinter der Bühne. Besonders reizvoll sind Kooperationsprojekte zwischen Theater für Kinder und Hamburger Kammeroper.

Beispiele

2008 stand die Operette "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach in einer Neufassung für Kinder von Barbara Hass auf dem Spielplan. Parallel dazu konnten Erwachsene "Orpheus und Eurydike" von Christoph Willibald Gluck in einer spannenden modernen Inszenierung von Philipp Kochheim in der Hamburger Kammeroper genießen. Wiederum parallel dazu stand außerdem "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach für Erwachsene in einer neuen Textfassung von Barbara Hass auf dem Spielplan der Hamburger Kammeroper.

Im Frühjahr 2010 gab es zwei „Freischütz" Neuinszenierungen - für Kinder und für Erwachsene - in unterschiedlichen Textfassungen und musikalischen Bearbeitungen, aber im gleichen (Raum-)Bühnenbild.


Neben einer Schauspiel-Urauführung 2013 zur Weihnachtszeit - "Der geheime Garten" nach Frances Burnett von Barbara Hass, Regie Claus Gutbier- war es eine besonders mutige Entscheidung, 2014 "Prinzessin Turandot" für Kinder auf den Spielplan zu setzen. Barbara Hass besann sich auf die Märchen-Ursprünge der Oper, "spielte" etwas mit den musikalischen Themen und brachte, zusammen mit dem Musikalischen Leiter Tjaard Kirsch, dem Regisseur Andreas Franz, Bühnenbildnerin Kathrin Kegler und Kostümbildnerin Katja Grebe eine mehr als überzeugende kindgemäße Fassung dieses "schweren" Stoffes auf die Bühne. Geradezu absurd erscheint es da, dass just zu dieser Zeit der Verlag die Aufführung zu verbieten drohte, weil nach neuem EU-Recht jede Bearbeitung des Stoffes verboten sei. Das Verbot der Vorstellungsserie konnte zwar abgewendet werden, aber eine Wiederaufführung steht in den Sternen der Juristerei.  
Als Verschmelzung von Choreographie und Regie könnte man den Inszenierungsstil von Prof. Birgit Scherzer bezeichnen. Sie setzte 2014 und 2015 neue Akzente mit Klassikern, für Kinder berbeitet, wie "Ein Sommernachtstraum" und "Die Zauberinsel" (nach "Der Sturm") von William Shakespeare.  

 

China

Der Inszenierung der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" für Kinder unter dem Titel "Die kleine Zauberflöte" von Andreas Franz wurde im Jahr 2004 besondere Ehre zuteil. Sie wurde zum "Shanghai International Children's Cultural & Art Festival" eingeladen und erntete nicht nur den Jubel des chinesischen Publikums, sondern auch den "Excellent Performance Award".

Auch 2006 lud China wieder das Theater für Kinder ein - diesmal zum Mozart Jahr mit "Mozart als Kind" von Barbara Hass. Eine 4- Städte-Tournee (Shanghai, Beijing, Xi'an, Chong Qing) mit 15 Vorstellungen bescherte dem Theater ca. 10 000 Zuschauer.



Theater für Kinder ab drei Jahren

Im Oktober 2009 wurde eine neue Idee Wirklichkeit: Ein spezielles Programm für ganz junge Kinder ab drei Jahren. Barbara Hass und Barbara Henneberg entwickelten gemeinsam ein Musical nach dem Kinderbuch "Kleiner Dodo, was spielst du?" von Serena Romanelli und Hans de Beer. Barbara Hass schrieb das Libretto und Barbara Henneberg komponierte dazu sing- und tanzbare moderne Kinderlieder, produzierte sogar eine CD dazu. Das Angebot wurde 2011 um das Musical "Lupinchen und Robert" erweitert (nach dem Kinderbuch "Lupinchen" von Binette Schroeder). 2014 feierte "Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich" (ebenfalls nach dem Buch von Binette Schroeder und mit demselben Team produziert) seine überaus erfolgreiche Premiere. Alle drei Stücke hat das Theater nun im Repertoire. Ergänzt wird das Programm ab 2016 mit Workshops für die Jüngsten, die unter der Leitung von Barbara Henneberg stattfinden. 


Lehrerbildung

Musiktheater-Projekte dieser Art für Kinder finden nicht nur in China, sondern vor allem bei den Schulen im norddeutschen Raum großen Widerhall. Deshalb bietet das Theater für Kinder zu jeder neuen Operninszenierung eine Einführungsveranstaltung an. Unsere Kontaktlehrer (siehe "Für Schulen") erhalten dazu automatisch eine Einladung von Dramaturg Claus Gutbier. Mit der Spielzeit 2016/17 sind alle Generalproben für Lehrer offen.   
Ausführliches Unterrichtsmaterial zur Vor- und Nachbereitung stellt das Theater für Kinder kostenlos zur Verfügung.
Darüber hinaus veranstaltet das LI Hamburg (Landesinstitut für Lehrerbildung) immer wieder Seminare zu unseren Operninszenierungen. Mit Ende der Spielzeit 2016/17 verlässt Claus Gutbier das Theater für Kinder.
 


Das Bistro

Auch auf Bedürfnisse Erwachsener zugeschnitten ist das Bistro Foyer, das Uwe Deeken 1996 gleich neben den Zuschauerraum bauen ließ, um allen Generationen in den Pausen genügend "Auslauf" zu bieten. Architekt Godber von Bernstorff schuf mit einer gewagten Aluminium-Glas Konstruktion ein Gebäude, das beim Publikum immer wieder Staunen und Begeisterung hervorruft und das im übrigen von einer internationalen Architekturzeitschrift als innovativ und vorbildlich gepriesen wurde. Hier könnne die Besucher der Hamburger Kameroper einen Theaterabend mit Vier-Gänge-Menü genießen.

Ausgezeichnet

  • 1976 "Assitej Kindertheaterfestival" Sofia/Bulgarien Preis für "Till Eulenspiegel"
  • 1986 26. Jugoslavenski Festival Djeteta in Sibenik Preis für "Eine kleine Zauberflöte"
  • 27 Oktober 1991 "Silberne Maske" von Hamburg's Volksbühne.
  • Im Jahr 2000 wurden die „Hamburger Kammeroper" und das „Theater für Kinder" gemeinsam mit dem „Mobil Pegasus Preis" ausgezeichnet. Dieser Preis wird seit 1999 jährlich für herausragende künstlerische Leistungen an ein Hamburger Privattheater vergeben.
  • Botschafter für Hamburg's Kinderkultur EXPO 2000
  • Excellent Performance Award, Shanghai 2004
     2008 "Rolf-Mares-Preis" für das Bühnenbild "Don Pasquale" von Kathrin Kegler  
  • Senator-Biermann-Ratjen Medaillen 2009 für Direktor Uwe Deeken und seine Frau Barbara Hass.
  • Rolf-Mares-Preis 2011 für Bühnenbildnerin Kathrin Kegler (Bühnenbild "Vom Fischer und seiner Frau")
     2012 "Mobil Pegasus Preis" Hamburger Kammeroper
     2013 "Rolf Mares Preis" für die Inszenierung "Lauter Verrückte" (Kammeroper) an Philipp Kochheim
    2016 "Rolf-Mares-Preis" für Luminita Andrei für ihre Darstellung der Giuseppina Strepponi
    in der Oper "Verdi und die Dame mit Noten" von Mathias Husmann in der Kammeroper


     

Der Förderverein

Der Förderverein "Freunde des 'Theater für Kinder' in Hamburg e.V." verstärkte 2005 seine Aktivitäten und unterstützt nun Schulen in sozialen Brennpunkten, damit der Theaterbesuch der Kinder nicht so oft an Geldnot scheitert.

Die Zukunft

Zwei "Theaterverrückte"    
Barbara und Uwe Deeken 2015          Foto:J. Flügel 

 

Nach 48-jähriger Theaterarbeit haben die Deekens  sich entschieden, die Leitung in jüngere Hände zu geben. Am 1. August 2016 übernahm Prof. Birgit Scherzer die Leitung des Allee Theaters mit der Hamburger Kammeroper und dem Theater für Kinder. Ihr zur Seite steht Marius Adam als ihr Stellvertreter und Leiter des künstlerischen Betriebsbüros. 

Uwe Deekens Verdienste für ein Kindertheater, das sich als Kunstform versteht, sind kaum zu ermessen. Insbesondere im Bereich "Oper für Kinder" setzte das Haus unter seiner Leitung auch international Maßstäbe. Im Wortsinn "federführend" daran beteiligt war Barbara Hass, die dem Theater auch weiterhin als Gast-Autorin und Kostümbildnerin zur Verfügung steht. 
 



Juni 2016: Hoffnungsfroh blicken Birgit Scherzer und Uwe Deeken in die Zukunft des Allee Theaters.     Foto: J. Flügel

Prof. Birgit Scherzer erhielt ihre Tanzausbildung an der Palucca Schule Dresden. Engagements als Tänzerin und Choreographin führten sie ins Landestheater Halle und an die Komische Oper Berlin, seit 1987 war sie Regieassistentin von Ruth Berghaus. 1988 brachte sie gemeinsam mit Heiner Müller dessen „Quartett“ auf die Bühne des Theaters im Palast in Berlin. Von 1991 bis 1999 arbeitete sie als Choreographin und Leiterin des Balletts am Staatstheaters Saarbrücken. Seit 2000 ist sie freischaffende Choreographin und Regisseurin, seit 2001 zusätzlich Professorin an der Hochschule für Schauspiel „Ernst Busch“ in Berlin. Von 2004 bis 2006 war sie Präsidentin des CID Deutschland, sitzt darüber hinaus in der Jury renommierter Tanz- und Choreographie-Wettbewerbe. Als Ballettdirektorin und Chefchoreographin arbeitete sie zwischen 2006 und 2009 am Landestheater Innsbruck. Für ihre Choreographien erhielt sie Auszeichnungen sowohl im In- wie im Ausland. Ihr soziales Engagement führte und führt sie wiederholt nach Afrika, Nepal und Indien. Eine Retrospektive ihrer Werke ist als Bildband unter dem Titel „Tanzstücke von 1991-1999“ im Verlag K. Baqué erschienen. Ab der Spielzeit 2016/17 übernimmt Prof. Scherzer die Intendanz des ALLEE THEATERS in Hamburg.   

Am 8. April 2017 wird Frau Prof. Birgit Scherzer von Uwe Deeken in seiner Eigenschaft als Gesellschafter der Allee Theater Stiftung gGmbH ihres Amtes enthoben. Neuer Intendant ist Marius Adam.




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